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Was Stasi-Berichte über hundert verschwundene wertvolle Gemälde berichten

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01.08.2021

Berlin - In Ian McEwans Spionagethriller „Der Unschuldige“ kommt im Jahr 1955 ein junger Engländer nach Berlin. Der Fernmeldetechniker soll an einem geheimen Lauschprojekt von CIA und MI6 in Westberlin mitarbeiten. Eines Abends fährt der Held des Romans mit seinem Begleiter Russell, einem Mitarbeiter des US-Militärsenders AFN, über die Zonengrenze in den Ostteil der Stadt.

Ihr Ziel ist das Hotel Newa in der Invalidenstraße 115. „Das war früher das Hotel Nordland, ein zweitklassiges Etablissement. Jetzt ist es zwar noch weiter heruntergekommen, aber immer noch das beste Hotel in Ost-Berlin“, erklärt Russell in dem Roman seinem Begleiter. Gemeinsam betreten sie in die Bar. „In der Bar saßen dreißig bis vierzig Personen schweigend über ihre Drinks gebeugt“, heißt es in dem Roman. „Auf einem Podium in der Ecke blätterten ein Klarinettist und ein Akkordeonspieler in ihren Noten. Die Bar war mit demselben abgegriffenen, mit Glasjuwelen und Troddeln besetzten rosa Steppstoff ausgekleidet, der auch die Theke bedeckte. Daneben gab es Spiegel in angeschlagenen Goldrahmen und prächtige Lüster, die freilich alle ausgeschaltet waren.“

McEwans prägnante Beschreibung gibt ziemlich genau das Ambiente und die Atmosphäre dieses besonderen Hauses in jener Zeit wieder. Was allerdings fehlt, sind die Bilder: Rund 100 Gemälde und Zeichnungen waren in der Bar des Hotels, dem Restaurant, dem Bankettsaal und den Zimmern verteilt. Originalwerke von bekannten Malern wie Herrmann Kauffmann, Andreas Achenbach, Johann Christian Vollerdt, Ludwig Knaus und Barend Cornelis Koekkoek.

Die Herkunft dieser Bilder ist bis heute ebenso rätselhaft geblieben wie ihr Verbleib. Und das hat viel zu tun mit einer für die DDR so typischen Geschichte, die sich Mitte der 1970er-Jahre zutrug und in der die Stasi, gierige Kunsthändler und korrupte Parteifunktionäre eine Rolle spielen.

Das spätere Hotel Newa war 1912 als Hotel Danziger Hof eröffnet und dann in Hotel Nordland umbenannt worden. Nach Kriegsende gehörte das........

© Berliner Zeitung


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