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Berlin: Gepflegter Sex für NS-Größen im „Salon Kitty“

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27.06.2021

Berlin - Das Etablissement im dritten Stock der Giesebrechtstraße 11 in Berlin-Charlottenburg war von eindrucksvoller Größe. Hatte man das Klingelschild mit der Aufschrift „Pension Schmidt“ gedrückt, betrat man eine rund 500 Quadratmeter große Etagenwohnung. Vom großen Empfangsraum, dem mit viel Plüsch, schweren Polstermöbeln und Kristallleuchtern ausgestatteten Salon, ging ein Flur ab, der zu insgesamt neun, luxuriös gestalteten Schlafzimmern führte.

Bis die Pension Schmidt im Jahr 1943 nach einem amerikanischen Bombenangriff ausbrannte, war sie „das prominenteste Etablissement käuflicher Liebe im Dritten Reich“, wie der Publizist Hans-Peter Bleuen in seinem Buch „Das saubere Reich. Theorie und Praxis des sittlichen Lebens im Dritten Reich“ schrieb.

Hochrangige Nazis, aber auch Diplomaten und Staatsgäste verkehrten hier und schwärmten anschließend von den schönen und „intelligenten Frauen in Cocktailkleidern“, die ihnen zu Diensten sein mussten. Berühmt wurde das Bordell aber erst nach dem Krieg, als seine eigentliche Funktion enthüllt wurde – demnach war der Edel-Puff ein Spionagenest, in dem der Nazi-Geheimdienst SD die Kunden in ihrem Liebesgeflüster abhören ließ.

Über die Pension Schmidt – der angeblich von Reinhard Heydrich, dem Chef des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA), der Deckname „Salon Kitty“ verpasst wurde – ist schon viel geschrieben worden. Filme mit reichlich nackter Haut wurden darüber gedreht, auch einige Dokumentationen, die sich des Themas etwas ernsthafter annahmen.

Enthüllt worden war die Existenz des Spionagebordells im Jahre 1956 von einem, der es wissen musste – dem früheren Auslandsspionagechef des SS-Sicherheitsdienstes (SD), Walter Schellenberg. Auf dessen Darstellung in seiner Autobiografie basiert auch der in den 1970er-Jahren veröffentlichte sogenannte Tatsachenroman „Salon Kitty“ des deutschen Schriftstellers Peter Norden.

Obwohl der Autor in seinem Klappentext damals offen einräumte, in seinem Buch Fakten und Fiktion recht freihändig vermischt zu haben, prägte Nordens Roman wesentlich die seitdem immer wieder........

© Berliner Zeitung


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