Die 56-jährige gebürtige Zwieslerin ist Schauspielerin, Sängerin, Autorin und Entertainerin. Gloria Gray lebte viele Jahre in München, bevor sie 2010 zurück in ihre Heimatstadt zog und dort erstmals für das Bürgermeisteramt kandidierte.

AZ: Man hört Autolärm. Wo erreicht man Sie gerade?
GLORIA GRAY: Ich bin in Berlin und pflege mein Netzwerk, besuche Kollegen und Freunde – und tausche mich mit Verantwortlichen für einen Film aus.

Was wird auf der Leinwand von Ihnen zusehen sein?
Die Filmrechte an meinem ersten Bayern-Krimi gingen an Warner Brothers. Ich bin an der Entwicklung der Verfilmung von "Zurück nach Untertreibling" beteiligt. Ich schwimme aktuell auf einer Welle des Erfolgs.

Herzlichen Glückwunsch! Und jetzt wird die Bestseller-Autorin auch Politikerin?
Ich sehe mich nicht als Politikerin und das will ich auch nicht werden. Ich bin die Gloria und will das Gesicht und die Seele der Stadt Zwiesel als Bürgermeisterin werden.

Gegen vier andere Bewerber müssen Sie sich durchsetzen.
Ich war schon immer eine Kämpferin. Ich stehe auf der Bühne, bin Veranstalterin, Produzentin, war Gastronomin und habe mich vor ganz langer Zeit als Frau verwirklicht. Meine Lebensleistung gibt mir recht. Ich will nichts mit Gewalt, Manipulation oder Intrigen erreichen. Nur mit Frieden. Mein Motto und auch ein Tipp für alle Mitmenschen: Sei mutig und freundlich.

Welche Chancen rechnen Sie sich bei der Wahl am 27. November aus?
Ich hatte schon viele Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Bürgerstammtische, aber ich kann es nicht einschätzen, wie weit ich kommen werde. Ich trete bewusst ohne Parteimitgliedschaft an. Mein ganzes Leben ist schon eine One-Woman-Show. Im Übrigen wird es von mir als mögliche neue Bürgermeisterin so schnell keine Bühnen-Performances mehr geben. Das Amt steht dann an erster Stelle.

Ist Zwiesel bereit für eine Transfrau als Bürgermeisterin?
Ich hoffe, dass die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich schon so weit sind, an mich und meine Talente zu glauben. Aber das Thema Transidentität ist abgehakt. Meine Transition ist über 35 Jahre her. Früher wurde es als etwas angeblich Verwerfliches und Abwertendes angesehen, heute ist man stolz, dass ich eine Zwieslerin bin. Es hat sich also genau ins Gegenteil gewandelt. Ich habe nichts zu verlieren. Ich bin der Meinung, dass Zwiesel mit mir als neue Bürgermeisterin viel gewinnen könnte. Wir brauchen einen Neustart und Imagewechsel.

Was wollen Sie ändern?
Ich will Zwiesel attraktiver machen. Die Stadt hat so eine hohe Lebensqualität, liegt in einer wunderschönen Gegend im Bayerischen Wald, aber es dürfte wieder lebhafter werden. Da muss wieder etwas passieren: Feste, Märkte, Partys usw. Es sollte wieder mehr Kultur und Veranstaltungen geben. Es muss mehr für die Gemeinschaft der Zwiesler, aber auch für das Ankurbeln des Tourismus gemacht werden.

Auch in Zwiesel steht die Welt nicht still. Es gibt kaum noch Geschäfte in der Stadt.
Ja, auch hier ist mittlerweile die Innenstadt fast ausgeblutet. Früher war dort das ganze Leben, weil es alle Geschäfte gab. Heute wird viel übers Internet bestellt.

Mit welchen Ideen soll die Stadt wieder attraktiver werden?
Ich möchte wieder Attraktionen und Anziehungspunkte mit Kunst und Kultur schaffen. Wie zum Beispiel mit Ausstellungen. Einfach die Stadt wieder beleben. Auch Street Art Festivals könnte ich mir vorstellen. Die Leute sollen einen Grund mehr haben und sagen: "Da fahren wir hin und schauen es uns an."

Könnten Sie auch gut mit alteingesessenen Unternehmern?
Ja, klar. Ich könnte ihnen Vorschläge machen und sie überzeugen. Ich wäre ein gutes Zugpferd. Das bin ich von Haus aus schon. Ich habe die dominante Ader von meiner Mutter. Sie war Wirtin und ein Leben lang selbstständig. So bin ich auch erzogen worden. Ich bin eine Macherin. Es geht ums Tun. Ideen und Versprechen haben viele. Ich setze sie auch um.

In Zwiesel kennt Sie fast jeder. Ist das ein Vorteil oder Nachteil?
Ich bin in Zwiesel weltberühmt (lacht). Ich glaube, mit meinem Namen, meinem Bekanntheitsgrad, meinen Ideen und meinem gestalterischen Talent kann ich mir vieles einfallen lassen, das nicht viel kostet. Wir wissen alle, dass wir verschuldet sind.

Wie anstrengend ist der Wahlkampf wirklich?
Der Wahlkampf ist sehr intensiv. Es ist schon manchmal so, dass ich abends ausgelaugt bin, wenn der Wahlkampf zu den laufenden Projekten hinzukommt. Ich schreibe am nächsten Buch, bereite eine Show im Münchner Schlachthof oder meine große Puffparty im Fasching vor. Da wird man dann schon mal sentimentaler. Aber am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus.

Was war Ihr persönlicher Beweggrund, ein drittes Mal bei der Bürgermeisterwahl anzutreten?
Ich habe es mir gut überlegt, ob ich nochmal kandidieren soll. Ich führe ein freies und selbstbestimmtes Leben, das ich mir erkämpft und erarbeitet habe. Aber ich möchte mein Leben auch mit Sinn füllen. Aktuell mache ich das mit Bücherschreiben und Bühnen-Auftritten. Sinnvoll wäre aber auch, wenn ich etwas für meine Heimat mache. Ich könnte etwas durch meine Bekanntheit und mein Netzwerk zurückgeben. Ich kann so Aufmerksamkeit für die Stadt und die Region generieren.

Was, wenn es nicht klappt?
Dann war es eine weitere Erfahrung in meinem Leben. Es wäre kein Problem. Ich habe nichts zu verlieren. Ich habe schon meine Karriere gemacht und mich verwirklicht.

Im Lockdown haben Sie Ihren ersten Krimi geschrieben, der prompt bei Amazon auf Platz eins landete. Haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?
Für eine zweite Biografie war es noch zu früh, daher kam die Idee mit dem Krimi-Roman. Die Hauptperson hat viel von mir, aber es ist eine fiktive Geschichte. Dichtung und Wahrheit vermischen sich ganz gut. Es kam so gut an, dass ich mittlerweile am dritten Krimi schreibe.

War der Lockdown ein Start für etwas Neues?
Ich war noch nie so alt wie jetzt, noch nie so gut wie jetzt - und noch nie so gut im Geschäft. Ich habe immer für mich gesorgt. Natürlich gab es auch Phasen, da wusste ich nicht mehr, wie es weitergehen soll als Freiberuflerin. Aber irgendwie habe ich mich immer neu erfunden und hart gearbeitet.

Gibt es da auch Platz für einen Mann in Ihrem Leben?
Für eine lange klassische Partnerschaft bin ich nicht gemacht. Als junger Mensch habe ich das noch gesucht und hatte es auch ein paar Mal ansatzweise in meinem Leben. Aber ein Mann, der es an meiner Seite aushalten würde, der müsste sich komplett nach mir richten. Ich bin es gewohnt, allein und selbstständig zu sein. Ich kann machen, was ich will. Und wenn sich ein Mann so anpassen würde, dann wäre er ein devotes Würmchen. Aber dann würde er mich schon nicht mehr interessieren.

Und wenn Sie sich kooperativer zeigen und ein bisserl anpassen würden?
So weit bin ich noch nicht (lacht). Ich habe eine gewisse Mission. Und gerade deshalb habe ich auch meine Art von Karriere gemacht. Meine Zeit, Liebe und Leidenschaft habe ich stets in meine Projekte gesteckt. Welcher Mann macht sowas mit?

Daten Sie?
Nur weil ich in keiner festen Partnerschaft lebe, heißt es nicht, dass ich wie eine Nonne lebe. In Zwiesel vielleicht schon, in Berlin weniger (lacht).

QOSHE - Transfrau als Bürgermeisterin: Gloria Gray steht zur Wahl in Zwiesel - Steffen Trunk
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Transfrau als Bürgermeisterin: Gloria Gray steht zur Wahl in Zwiesel

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24.11.2022

Die 56-jährige gebürtige Zwieslerin ist Schauspielerin, Sängerin, Autorin und Entertainerin. Gloria Gray lebte viele Jahre in München, bevor sie 2010 zurück in ihre Heimatstadt zog und dort erstmals für das Bürgermeisteramt kandidierte.

AZ: Man hört Autolärm. Wo erreicht man Sie gerade?
GLORIA GRAY: Ich bin in Berlin und pflege mein Netzwerk, besuche Kollegen und Freunde – und tausche mich mit Verantwortlichen für einen Film aus.

Was wird auf der Leinwand von Ihnen zusehen sein?
Die Filmrechte an meinem ersten Bayern-Krimi gingen an Warner Brothers. Ich bin an der Entwicklung der Verfilmung von "Zurück nach Untertreibling" beteiligt. Ich schwimme aktuell auf einer Welle des Erfolgs.

Herzlichen Glückwunsch! Und jetzt wird die Bestseller-Autorin auch Politikerin?
Ich sehe mich nicht als Politikerin und das will ich auch nicht werden. Ich bin die Gloria und will das Gesicht und die Seele der Stadt Zwiesel als Bürgermeisterin werden.

Gegen vier andere Bewerber müssen Sie sich durchsetzen.
Ich war schon immer eine Kämpferin. Ich stehe auf der Bühne, bin Veranstalterin, Produzentin, war Gastronomin und habe mich vor ganz langer Zeit als Frau verwirklicht. Meine Lebensleistung gibt mir recht. Ich will nichts mit Gewalt, Manipulation oder Intrigen erreichen. Nur mit Frieden. Mein Motto und auch ein Tipp für alle Mitmenschen: Sei mutig und freundlich.

Welche Chancen rechnen Sie sich bei der Wahl am 27. November aus?
Ich hatte schon viele Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Bürgerstammtische, aber ich kann es nicht einschätzen, wie weit ich kommen werde. Ich trete bewusst ohne Parteimitgliedschaft an. Mein ganzes Leben ist schon eine One-Woman-Show. Im Übrigen wird es von mir als mögliche neue Bürgermeisterin so schnell keine........

© Abendzeitung München


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