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Angst vor Luxusauto-Kratzer: Münchner Society flieht vor dem Neid

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21.06.2022

Patricia Riekel ist die Klatsch-Ikone in Deutschland, war Chefin der "Amica", "Bunte" und der deutschen "InStyle". Liiert ist sie mit Helmut Markwort, das Paar lebt im Herzogpark in München.

AZ: Frau Riekel, Sie beobachten die Münchner Gesellschaft - auch die feine und ganz feine - seit Jahrzehnten sehr genau. War früher mehr Lametta?
PATRICIA RIEKEL: Es war einfach mehr Lametta zu sehen! Bevor es die Sozialen Medien gab, haben die Schönen, Reichen und Mächtigen viel mehr gefeiert und Geld verschwendet. Gunter Sachs feierte legendäre Feste mit den schönsten Frauen der Welt. Oder Bernd Eichinger, auch er ein großzügiger Gastgeber, wie es sie heute selten gibt.

Können Prominente heute keine rauschenden Partys mehr feiern?
Es gibt immer noch glamouröse Feste, aber meistens finden sie hinter hohen Mauern statt. Ich kenne bekannte Unternehmer, die 400 ihrer besten Freunde einladen und Weltstars auftreten lassen. Man passt aber auf, dass nicht zu viel nach außen dringt. Das würde dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Verschwendung ist "out", Nachhaltigkeit "in". Heute ist alles viel transparenter geworden, man fürchtet die soziale Kontrolle durch Boulevardjournalismus und Handyfotos. Das trägt dazu bei, dass die großen gesellschaftlichen Einladungen seltener geworden sind.

Was meinen Sie damit?
Früher, ich meine speziell die 70er und 80er Jahre, konnte die Society ungehemmter feiern. Es gab keine soziale Kontrolle wie heute durchs Internet. Damals konnte man seine Privatfeiern bei Käfer oder im Tantris als Spesen abschreiben, als Geschäftsessen! Das war nicht so leicht nachprüfbar. Heute geht es korrekter und damit auch gerechter zu. Wer sich nicht an Vorschriften und Regeln hält, kann sich nicht mehr mit Prominenz herausreden. Wie Boris Becker zum Beispiel. Wer es heute so richtig krachen lassen will, kann es nach wie vor tun. Dann aber nicht zu Hause in München, sondern im südlichen Umland an den Seen oder auf Yachten, in Marrakesch oder auf Sylt.

Fliehen die Reichen für Partys aus der Stadt?
Sie fliehen vor dem Sozialneid. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Wer mit jedem Cent rechnen muss, und das trifft die meisten, nimmt es nicht mehr als gottgegeben hin, wenn einige wenige sich alles leisten können. Die Welt ist heute globaler und transparenter geworden, man vergleicht sich.

Wie äußert sich dieser Neid?
Man verdächtigt die Reichen, dass sie ihr Vermögen vor allem durch Tricks und Steuerschwindel erzielt haben. Und es ist für Normalbürger auch schwer zu verkraften, dass ihr........

© Abendzeitung München


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