Unsere Überzeugungen versorgen sich selbst mit Beweisen

Unsere Überzeugungen versorgen sich selbst mit Beweisen

Wir sehen erstaunlich oft genau das, was wir ohnehin vermuten. Und je öfter uns etwas begegnet, desto glaubwürdiger erscheint es. Warum unser Gehirn sich seine Wirklichkeit manchmal selbst zusammenbaut.

Autos stehen zum Verkauf: Sticht eines heraus?

Was ist Wirklichkeit? Keine Sorge, dies wird keine philosophische Abhandlung. Wir beginnen viel profaner mit einem Autokauf. Haben Sie schon einmal ein neues Auto gesucht? Man googelt, vergleicht Modelle, liest Testberichte und irgendwann kristallisiert sich eins heraus. Plötzlich ist dieses Auto überall: neben Ihnen an der Ampel und auf jedem fünften Parkplatz. Gestern kaum bemerkt, heute offenbar das Schweizer Einheitsauto. Verändert hat sich nicht die Welt, sondern das, was für uns darin relevant geworden ist.

Unser Gehirn muss permanent auswählen, was Aufmerksamkeit verdient, denn würden wir jeden Gegenstand, jedes Geräusch und jede Information gleich gründlich prüfen, wären wir kaum handlungsfähig. Dieser Filter ist also kein Konstruktionsfehler, sondern eine Überlebensstrategie.

Richtig interessant wird es, wenn das, was uns auffällt, zum Beweis dafür wird, was wir ohnehin glauben. Nehmen wir an, Sie sind überzeugt, Velofahrerinnen und -fahrer hielten sich nicht an Verkehrsregeln. Montag fährt einer bei Rot über die Kreuzung. Ha!........

© Aargauer Zeitung