Warum Krankheit immer eine politische Erzählung ist

Warum Krankheit immer eine politische Erzählung ist

Bei Papst Leo XIV. wird Verletzlichkeit als Stärke gedeutet, während Donald Trump seine Fitness betont. Der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich Krankheit bewertet wird.

Papst Leo XIV. bei einer Generalaudienz im Vatikan im Dezember 2025.

«Krankheit ist keine Metapher», schrieb die Kulturkritikerin Susan Sontag 1978. Sie wandte sich nicht gegen die Berichterstattung über Krankheiten, sondern gegen die Erzählungen, die darin mitschwingen: Krebs als Kampf, der Kranke als Kämpfer, die Genesung als heroischer Sieg. Sontag hat recht: Diese Rhetorik macht aus einer medizinischen Tatsache eine moralische Prüfung. Wer gesund wird, hat gesiegt; wer es nicht schafft, droht als jemand zu erscheinen, der verloren hat.

Wie unterschiedlich solche Deutungen ausfallen, zeigt der Vergleich zwischen Papst Leo XIV. und Donald Trump. Im April nannte Trump den Papst «schwach bei der Verbrechensbekämpfung» und «katastrophal in der Aussenpolitik», nachdem Leo Trumps Migrationspolitik und den Krieg gegen Iran kritisiert hatte. Nun rückt eine andere Seite Leos in den Blick: Spätestens seit der Papst am vergangenen Sonntag öffentlich machte, dass ein Knoten........

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