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Rock ’n’ Roll am Waldrand

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12.02.2019

Fotos: Rita Palanikumar für Sweet Home

Jedes Zuhause hat einen bestimmten Rhythmus und Charakter. Betritt man ein Haus, lernt man auch dessen Bewohner kennen, selbst wenn sie nicht da sind. So ist es mir mit der Familie Donati ergangen, denn ich war zuerst beruflich für ein Fotoshooting in ihrem Haus. Es war mir so sympathisch, dass ich die Bewohner später zu einer Homestory überredete.

Dass man sich bei Daniel Donati und Viviane Gall sofort willkommen und wohlfühlt, hat nicht nur mit der Grösse und der Schönheit der Räume zu tun, sondern auch mit der kreativen Stimmung im Haus, die persönlich, unkompliziert und lebendig ist und eine sympathische Portion Rock-’n‘-Roll-Allüre zeigt. Hier lebt eine kreative, coole, stylishe und aktive Familie. Daniel ist Creative Director und hat seine Branding-Agentur gerade nach Hause gezügelt. Viviane war, bevor die Söhne Jamiro (5) und Marley (3) auf die Welt kamen, Partnerin und Leiterin einer PR-Agentur. Nun betreibt sie ein Onlineportal, das sich rund um das Wohlbefinden von Frauen dreht und auf dem sie eigene energetische Produkte anbietet. Das grosse, unkonventionelle Haus am Waldrand bietet der Familie die Möglichkeit, Arbeit, Kreativität und Familienleben zu verbinden.

Gebaut wurde das Haus in den Sechzigern vom berühmten Schweizer Architekten Eduard Neuenschwander. Das Paar ist vor sechs Jahren eingezogen. «Es war nicht geplant, in ein Haus ausserhalb der Stadt zu ziehen. Aber als sich diese aussergewöhnliche Gelegenheit bot, dank einem Tipp von Freunden, wagten wir, die Stadtmenschen, das neue Wohnabenteuer», erzählen Viviane und Daniel. Das Haus wurde für den Grafiker, Künstler und Bildhauer Karl Schmid gebaut, der es als Atelier und Wohnraum nutzte.

Der grosse Wohnraum, der sich in Schmids ehemaligem Atelier befindet, hat denn auch einen fantastischen Industrie-Holzboden und ist aussergewöhnlich hoch. Beim Einrichten sind Inseln entstanden, bei denen sich die unterschiedlichen Möbel der Familie wie Freunde begegnen und zum Wohnen einladen. So stehen sich hier zwei grosszügige Minotti-Sofas auf einem marokkanischen Teppich gegenüber. Die Midcentury-Sideboards, Fundstücke aus Vintagegeschäften, lehnen cool an die Wand, zeigen Wohnaccessoires oder Kunst, wie das Schriftbild, das Daniel als Willkommensgeschenk für Vivianes Rückkehr aus dem Spital nach Marleys Geburt gemalt hat.

Bei der Renovation des Hauses und beim Einrichten und Gestalten der Räume hat vor allem Daniel seine kreativen und handwerklichen Talente eingebracht. Er spricht von einem «Work in Progress»: «Für mich ist die Liebe zum Raum von grosser Bedeutung.» Der kreative Kopf hat sofort das Potenzial gesehen und entdeckt, dass das Haus mehr als bloss Wohnraum bietet. «Es ist eine kleine Welt. Nicht zuletzt durch die Verbindung der Innen- und Aussenräume, was ja für den Architekten, der sich selbst Umweltgestalter nannte, sehr wichtig war.»

Die Möbel werden gebraucht, und zwar von allen Familienmitgliedern. So erobern hier Jamiros und Marleys Dinosaurier Design- und Architekturbücher. Diese türmen sich auf einem der drei baumstrunkförmigen Beistelltische aus Metall.

Da der Raum nicht typische Ecken hat, sondern auch eine dynamische Rundung, sind kleine Möbelgruppen entstanden, wie hier ein entspannter Ort zum Lesen. Den Sessel hat Daniel in der Zürcher Boutique Zoé entdeckt,........

© Tages Anzeiger