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Augmented Reality im Alltag: Das war das wahre Highlight der Apple-Show

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13.09.2017


Der bizarrste Moment der Vorstellung des iPhone X war zweifellos, als der Softwarechef des wertvollsten Unternehmens der Welt Emoji präsentierte, die sich der Mimik anpassen - und er bei der Live-Vorführung einen Kackhaufen mit Gesicht auswählte, der das Lächeln des iPhone-Benutzers in Echtzeit übernimmt. Es war wirklich so.

Ein lachender Kackehaufen als Apple-Vizepräsident - von der Absurdität des Weltenlaufs ist das nicht weit entfernt vom Moment, als man realisieren musste, dass Trump jetzt ernsthaft zum US-Präsidenten gewählt worden war. Die schiere Existenz digital animierter Exkremente wird sicher zur Vorzeigemetapher der Kulturkritik, ansonsten gab es wenig, was nicht durch Leaks und Unachtsamkeiten vorab bekannt geworden wäre.

Die meiner Beurteilung nach größte und wichtigste Neuerung aber war kein neues Gerät. Es war eine Software, ein Teil von Apples mobilem Betriebssystem iOS namens ARKit, das Apple-Entwicklern bereits im Sommer vorgestellt wurde.

Eigentlich müsste man sich für solche technischen Details kaum tiefer interessieren, wenn nicht ein Technologiekomplex darunter das Zeug hätte, die digitale und damit auch die kohlenstoffliche Welt zu verändern.

Denn mit dem Update macht Apple über Nacht die (neueren) iPhones zu sogenannten Augmented-Reality-Geräten. Beziehungsweise zu "Mixed Reality"-Geräten, denn diese Bezeichnung vereint sinnvollerweise die beiden Technologien Augmented Reality und Virtual Reality.

Im Kern geht es dabei um eine Verschmelzung der Welten: Die digital vernetzte Welt wird sicht- und hörbarer Teil der dinglichen Welt. Man kann sich in ihr bewegen und mit dem digitalen Abbild von Personen und Dingen interagieren. Das iPhone dient gewissermaßen als Schlüsselloch, durch das man in diese andere, vermischte Realität schauen kann, wo mitten im Raum digitale Objekte stehen........

© Spiegel Online