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Fernsehaufsicht: Können wir bitte über etwas anderes reden?

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14.06.2018

Ich habe Schuld auf mich geladen. Ich habe an der schlimmsten Talkshow des Landes teilgenommen. Am Mittwoch vor einer Woche saß ich bei "Maischberger", um über die Deutschen und den Islam zu reden.

Bislang dachte ich immer, ein Auftritt bei "Maischberger" sei okay. Wenn es jemand gibt, auf den man sich politisch verlassen kann, dann doch Sandra Maischberger. Lieber würde sie sich einen Arm abhacken, als etwas zu wählen, was als rechts gilt. Wenn nur Menschen wie Maischberger bei Bundestagswahlen abstimmen dürften, würde die Sozialdemokratie seit Willy Brandt ununterbrochen den Kanzler stellen.

Trotzdem: Maischberger geht gar nicht. Nach der Sendung meldete sich der deutsche Kulturrat zu Wort und forderte eine einjährige Talkshow-Pause. Auch mein Kollege Georg Diez holte zum Schlag aus. TV-Talkshows wie die von Maischberger trügen zur Spaltung der Gesellschaft bei.

Alles was schief laufe in Deutschland, die Angst, die Häme, der Hass, werde durch die Talkshows potenziert und befördert. "Durch ihre verzerrende Themensetzung hält die Talkshow die zentrifugalen Kräfte unserer Gesellschaft in Schwung", las ich. Noch ein, zwei solche Sendungen und die AfD stellt den nächsten Kanzler. So gesehen ist eine Zwangspause, um die Beteiligten zur Besinnung bringen, ein vergleichsweise moderates Mittel. Am besten wäre ein generelles Talkshow-Verbot.

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© Spiegel Online