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Jürgen Kaube und das "FAZ"-Feuilleton: Nebelkerzen mit Agenda

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14.01.2018

Es klafft ein Loch im Denken dieser Republik, und es ist immer noch merkwürdig, wie der Tod einer einzigen Person, Frank Schirrmacher, Feuilleton-Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen" und 2014 verstorben, zu einem solchen Spannungsverlust führen konnte. Nirgends wird das deutlicher als dort, wo er gearbeitet hat, im Feuilleton der "FAZ". Schirrmacher war dabei kein Heiliger und kein Genie, auch wenn er etwas Genialisches hatte. Er war ein zerrissener Mensch, angetrieben von großer Energie und Neugier, einer Offenheit für die Welt, wie sie sich ihm darstellte.

Sein Nachfolger nun, Jürgen Kaube, begann seinen Job als sozialdemokratischer Technokrat. Sein Ziel, so schien es, war die Spekulations- und Spaßfreiheit, sein Ziel war es, die Erinnerung an den Charismatiker Schirrmacher zu vertreiben, sein Ziel war es, dem Feuilleton das Feuilleton auszutreiben, also die literarische Dimension und auch die politische und speziell das Zukunftsfreudige, und es zu dem zu machen, was es schlimmsten Fall immer war, ein Blatt für eine gelangweilte Gelehrtenrepublik.

Das "FAZ"-Feuilleton wurde universitärer und theoriehafter auf diese trüber Art und Weise, weil die Welt, Empirie, Technologie, die Schönheit, das Tastende und Unfertige hier keinen Platz mehr hatten - im Gegensatz zum professoralen Predigtton, der in bestimmten Kreisen immer noch beliebt ist, weil er die Zweifel am Wesen und Bestehen dieser Welt in Fußnoten verdammt und damit erst einmal den Status Quo des Halbwissens absichert. Wer etwas wagte, wer anders war, wer anders klang, musste gehen. Es waren übrigens vor allem Frauen, die das betraf.

Und so veränderte sich das Klima, so veränderte sich der Ton. Es wurde einerseits stiller und schlicht weniger interessant, das Feuilleton der "FAZ" verlor an Aufmerksamkeit und auch an Bedeutung. Und andererseits setzte sich das fort, was sich schon unter Schirrmacher angedeutet hatte, der als Mann immer........

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