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Wie sozial darf’s denn sein?

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13.01.2018

Mit dem Regierungswechsel ist eine aufgeregte Debatte darüber entstanden, ob es sozial sei, wenn Vermögende von der Solidargemeinschaft finanziert werden. Gute Frage.

Für die Oppositionsparteien und die aufgebrachte Twitteria war schon nach wenigen Stunden klar, was die neue Bundesregierung im Schilde führt: knallharten Sozialabbau auf Kosten der Schwächsten der Schwachen. Menschen, die ohnehin schon in einer prekären Situation sind, auch noch das Ersparte zu nehmen, sei so ziemlich das Letzte, was in einem Sozialstaat passieren dürfe. Das allseits gefürchtete „Hartz IV“ stünde vor der Einfuhr nach Österreich, indem künftig auf Vermögen von Notstandshilfebeziehern zugegriffen werden soll.

Aber wie kommt jemand dazu, der jahrzehntelang in das Sozialsystem eingezahlt hat, mit 55 seinen Job verliert und trotz zahlloser Bewerbungen keinen neuen findet, seine Ersparnisse aufbrauchen zu müssen, bevor die Solidargemeinschaft einspringt? Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Andererseits: Wie kommt eine bescheiden verdienende Verkäuferin dazu, mit ihren Sozialbeiträgen einen jungen Erben ohne Unterhaltspflichten zu finanzieren, weil ihm gerade nicht danach ist, zwei Bundesländer weiter eine freie Stelle anzunehmen?

Dieser Artikel stammt aus profil 3/2018. Das aktuelle Heft können Sie im Handel oder........

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