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Verliebt in Wien

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22.09.2018

Der Wiener Gemeindebau wird in deutschen Medien zum großen Vorbild erhoben. Das ist übertrieben, das Modell hat nämlich auch seine Schwächen.

Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky sollte öfter ausländische Zeitungen lesen. Die „Süddeutsche“ zum Beispiel. Dann würden ihm Sätze wie dieser schwerer über die Lippen gehen: „Ich habe den Eindruck, dass einige das Ziel haben, Wien als riesengroßen Problemfall darzustellen“, wie Czernohorszky in einem Interview mit Rosemarie Schwaiger im profil vergangene Woche meinte. Es stimmt schon, an Kritik fehlte es in letzter Zeit nicht, etwa im Zusammenhang mit den erschütternden Zuständen an diversen Brennpunktschulen.

Aber es gibt auch jede Menge Lob. Wien ist nicht nur die lebenswerteste Stadt der Welt, sondern außerhalb Kubas auch die letzte Bastion gegen das internationale Mietspekulantentum. So sieht das jedenfalls der Österreich-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“. „So geht Wohnen“, lautete der Titel einer großen Reportage auf der Seite 3 des Münchner Blatts am vergangenen Mittwoch. Was folgte, war eine Lobeshymne auf das rote Wien, wie sie sonst nur noch in der „AK für Sie“ zu lesen wäre. „Nein, der Immobilienmarkt muss nicht den Gesetzen des Zynismus gehorchen: In Wien kümmert sich die Politik seit jeher um die Mieter und nicht um die........

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