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Liebe Maschinen – lasst uns doch Freunde sein

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12.02.2019

Kurz vor der Landung, zehn Kilometer über der Mondoberfläche, begann neben dem Computerbildschirm ein Lämpchen zu blinken. «Wir haben ein Computerproblem», funkte der Pilot der Apollo-Landefähre, Neil Armstrong, zur Erde. «Fehlercode 1202.» Im Kontrollzentrum in Houston versuchten Computerfachleute unter grösstem Zeitdruck herauszufinden, was es mit diesem Fehlercode auf sich hatte. Schliesslich sagte einer: «Wir gehen weiter mit diesem Alarm.» Für diesen Funkspruch, für den Entscheid, den Computer zu ignorieren und den Landeanflug fortzusetzen, wurde der Ingenieur im Kontrollzentrum später vom amerikanischen Präsidenten mit einem Preis ausgezeichnet. Wegen Gesteinsbrocken auf dem geplanten Landeplatz zu einem Umweg gezwungen, Fehlermeldungen bezüglich Treibstoffmangels ignorierend, brachte Armstrong die Fähre schliesslich auf den Boden und konnte die historischen Worte sprechen: «The Eagle has landed.»

Tausende von Ingenieuren haben in den USA während der 1960er Jahre für die Raumfahrt gearbeitet, sie haben in vielen Bereichen wichtige Innovationen vorangetrieben. Auch die Kooperation von Pilot und Autopilot musste grundlegend überdacht werden. Es gab Techniker, die die Astronauten als eine Art Frachtgut betrachteten; sie glaubten, dass der Erfolg der Apollo-Missionen am besten garantiert werden könne, wenn die «humans out of the loop» blieben, wenn die Menschen an Bord während des Fluges von allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen würden. Andere vertraten den Standpunkt, dass eine bemannte Raumfahrt ohne Männer, dass eine Entdeckungsreise im All ohne Entdecker nicht sinnvoll sei. Vor allem die Piloten wollten sich nicht zu Passagieren degradieren lassen: Sie waren alle hochdekorierte Militärpiloten, die Kampfeinsätze geflogen hatten. Die Ereignisse bei der ersten Mondlandung gaben ihnen recht: Es braucht die «humans in the loop», Mensch und Maschine sind aufeinander angewiesen.

Das Apollo-Programm hat der Informatik – von der Halbleitertechnik bis zum Software-Engineering – viele wichtige Impulse gegeben. Doch eine zentrale Lektion scheint vergessen gegangen zu sein: Eine künstliche........

© Neue Zürcher Zeitung