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Klugheit statt Panik – die richtige Einwanderungspolitik für Europa

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12.07.2018

Ob es um einen illegalen Einwanderer aus Mali geht, der eine Fassade hochklettert, um ein Kind zu retten, oder um eine populistische Regierung in Italien, die eine halbe Million Migranten abschieben will: Schlagzeilen, bei denen es um Einwanderung geht, sind in Europa an der Tagesordnung. Aber obwohl – oder weil – das Thema ständig präsent ist, ist die Debatte immer noch von Vorurteilen und politischer Vereinnahmung bestimmt.

So mangelte es im Zusammenhang mit dem Brexit-Referendum nicht an falschen und verzerrten Behauptungen. Es hiess, ungehinderte Einwanderung aus dem restlichen Europa würde die Löhne drücken. Seit der Abstimmung argumentieren die Brexit-Gegner allerdings ebenso unsachlich, Grossbritannien werde es nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Gemeinschaft an qualifizierten Arbeitskräften mangeln. Länder wie Australien, Kanada oder Singapur kommen sehr gut ohne garantierte Einreisefreiheit zurecht: Sie stellen einfach Arbeitsvisa aus – je nach Qualifikation.

Indem Gegner und Befürworter der Einwanderung so verzerrte Behauptungen aufstellen, erschweren sie eine nüchterne Diskussion. Selbst wenn es lediglich um eine vernünftige Kosten-Nutzen-Analyse der wirtschaftlichen Folgen von Einwanderung geht, neigen die verfeindeten Lager dazu, nur Studien und Daten zu zitieren, welche die eigene Sichtweise unterstützen. So werden kreative und effektive Lösungen verhindert.

Einwanderer wollen keine neue Kultur oder Identität, sondern ein besseres Leben.

Als jemand, der selbst Einwanderer ist und jahrelang die internationale Migration hochqualifizierter Arbeitskräfte untersucht hat, kann ich sagen, dass eine rationale Debatte bei der Perspektive der Einwanderer selbst ansetzen muss. Was bewegt einen Menschen, in ein neues und normalerweise unbekanntes Land........

© Neue Zürcher Zeitung