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Das freudlose Verwalten der Macht

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12.01.2018

Es ist ein seltsamer Übergang der Macht. Die drei deutschen Regierungsparteien haben am 24. September die Bundestagswahl gewonnen. Mit einem gemeinsamen Wähleranteil von 53 Prozent halten sie die absolute Mehrheit der Sitze im Bundestag. Und doch tragen die Parteien das Joch des grossen Verlierers mit sich herum, das ihren Anspruch des Weiterregierens beschädigt. Noch nie seit der Gründung der Bundesrepublik haben die grossen Volksparteien so schlecht abgeschnitten wie 2017. Nach dem Scheitern der neuen, bunten, für viele aufregenden Regierungskoalition «Jamaica» im November schleppen sich nun die alten Regierungsparteien noch einmal widerwillig an die Futtertröge der Macht zurück, legitimiert durch die Haltung, es gebe keine Alternative. Lust- und freudloser hat kaum je ein Spitzenteam von erfahrenen Parteipolitikern das Privileg des Regierungsamts übernommen.

Ähnlich zwiespältig ist die Stimmung im Land. Deutschland geht es ausserordentlich gut. Soeben wurde ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent verkündet. Im neuen Jahr soll es noch besser werden. Die Arbeitslosigkeit ist so tief, wie man sich das vor zehn Jahren kaum hätte vorstellen können. Die Reallöhne steigen. Der Bundeshaushalt weist einen Überschuss aus. Deutschland erlebt........

© Neue Zürcher Zeitung