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Es ist Zeit, den Blick nach Süden zu richten

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14.09.2017

Oft sind es ausserordentliche Ereignisse, die den Blick für das Alltägliche schärfen. So macht die unerwartete Sperrung der deutschen Rheintalbahn bei Rastatt seit Mitte August deutlich, was die Schweiz meint, wenn sie Engpässe auf der Nordzufahrt zu den neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (Neat) anprangert. Dass die Absenkung des Bahntrassees durch seit Jahren fällige Arbeiten für ein zusätzliches Trassee ausgelöst wurde, ist eine Ironie dieser Geschichte. Kurzfristig ist alles daranzusetzen, dass die Sperrung umgehend, spätestens aber am dafür in Aussicht gestellten Termin vom 7. Oktober, aufgehoben werden kann und dass sich bis dahin für möglichst viele Güter alternative Wege finden lassen.

Darüber hinaus ist zu klären, in welchem Masse die vom Streckenunterbruch Betroffenen von jenen zu entschädigen sind, auf deren Kappe das Debakel geht. In der Pflicht stehen hier zwei Körperschaften: Als Organisation die Deutsche Bahn (DB), die den besagten von den Anwohnern erwirkten Tunnel bauen lässt und für das Management des Bahnverkehrs in Deutschland verantwortlich ist. Und als Staat die Bundesrepublik Deutschland, welche die Funktionstüchtigkeit ihrer internationalen und nationalen Verkehrswege letztlich zu verantworten hat. Mittel- und langfristig sind Lehren aus dem Debakel zu ziehen, welche die Folgen solcher Ereignisse in Zukunft auf ein Minimum reduzieren. Insbesondere sind Klumpenrisiken zu identifizieren und Alternativen zu schaffen, mit denen sie sich reduzieren oder beseitigen lassen.

Die Tatsache, dass die Landesversorgung der Schweiz vom Unterbruch ihrer wichtigsten Eisenbahnzufahrt kaum tangiert ist, macht deutlich, dass die Bahn mit einem Marktanteil von 16 Prozent im Import- und Exportverkehr weit hinter dem Lastwagen die zweite Geige spielt. Sie illustriert zudem, wie divers die verschiedenen Transportwege sind. Auch geografisch ist die Verteilung breiter, als man annehmen würde: Basel ist zwar das deklarierte «Tor zur Schweiz», das ein Drittel der Tonnagen bewältigt, die in die Eidgenossenschaft eingeführt werden. Zwei Drittel der Importe finden ihren Weg aber über andere........

© Neue Zürcher Zeitung