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Weniger Papierkram: Der Staat braucht einen digitalen Kick

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04.08.2017

Als das Internetportal ch.ch im Jahr 2003 startete, hatte man hohe Erwartungen. Der virtuelle Schalter des Bundes sollte zu nicht weniger werden als zu der zentralen Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die eine Frage an eine Behörde haben. Und davon gibt es bekanntlich nicht wenige. Heute darf die von der Bundeskanzlei betriebene Website behaupten, dieses Ziel wenigstens teilweise erreicht zu haben. Von A wie Abfallentsorgung bis Z wie Zweitwohnung – zu praktisch allen Lebensbereichen finden die Nutzer hier gebündelt die wichtigsten Informationen und weiterführende Links. Damit hat es sich allerdings. In den mehr als 14 Jahren ihres Bestehens ist ch.ch im Wesentlichen eine reine Informationsplattform geblieben. Anwendungen, über die die Bevölkerung alltägliche Geschäfte mit den Behörden elektronisch abwickeln kann, bietet die Plattform nur wenige an.

Die derzeitige Qualität des Bundesportals ist symptomatisch für den Stand von E-Government in der Schweiz. Ganz allgemein geht die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung im internationalen Vergleich nur langsam voran. Die Schweiz, die mit ehrgeizigen Zielen gestartet ist, hinkt anderen Ländern hinterher. Diesen Befund bestätigen internationale Rankings. Im E-Government-Survey der Uno belegte die Schweiz 2016 nur gerade Rang 28. Nicht nur sämtliche Nachbarstaaten, sondern auch kleinere Länder mit vergleichbarem Potenzial, wie etwa die Niederlande oder Dänemark, sind mit der Einführung von digitalen Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung um einiges weiter als die Schweiz.

Ein Teil des Rückstandes ist darauf zurückzuführen, dass der Leidensdruck hierzulande gering ist. Tag für Tag erbringen die Behörden von Gemeinden, Kantonen und Bund qualitativ hochstehende Dienstleistungen. Die Bürokratie wächst und wächst zwar, wird aber effizienter als in anderen Staaten abgewickelt. In jungen Staaten wie Estland, das immer wieder als Musterbeispiel für die Digitalisierung herangezogen wird, ist dies........

© Neue Zürcher Zeitung