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Die militärische Logik ist zurück in Europa

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12.01.2018

Für die europäischen Nato-Mitglieder ist Donald Trump eigentlich ein Segen. Mit seinen Rüpeleien gegen die angeblich obsolete Allianz und seinem sturen Beharren auf höheren Verteidigungsausgaben gibt er ein ideales Feindbild ab, das man für alles verantwortlich machen kann, was einem nicht passt. So polemisierten die deutschen Sozialdemokraten im Wahlkampf gegen «Trumps Aufrüstung», obwohl sie selbst als Teil der deutschen Regierung für eine bessere Alimentierung der Nato-Armeen votiert hatten. Der Wirbel um den flamboyanten Präsidenten lenkt auch von den Problemen ab, die sich unabhängig vom Insassen im Weissen Haus stellen. Die Nato muss eine Antwort finden, ob sie noch ein Verteidigungsbündnis sein will oder eher ein politischer und damit unverbindlicher Klub.

Engagierte sich die Nato in den letzten 25 Jahren ausserhalb des Bündnisgebiets, steht seit der Annexion der Krim durch Moskau wieder das Kerngeschäft im Zentrum: die Sicherheitsgarantie für alle Mitglieder. Das gilt besonders für die baltischen Staaten. Wegen ihrer vorgeschobenen Stellung inmitten des russischen Machtbereichs liessen sie sich ebenso wenig gegen einen Überraschungsangriff verteidigen wie einst Westberlin. Dort befanden sich jedoch genug amerikanische Truppen, um jeden Konflikt sofort eskalieren zu lassen. Ein sowjetischer Angriff wäre deshalb eben nicht nur ein Militärabenteuer im fernen Deutschland gewesen, sondern ein Schlag gegen die USA selbst. Derselben Logik folgt die Stationierung von vier Bataillonen unter amerikanischer, deutscher, britischer und kanadischer Führung im Baltikum und in Polen.

Die zusätzlichen 4000 Mann ändern nichts an den Kräfteverhältnissen an der Ostsee. Russland und sein........

© Neue Zürcher Zeitung