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Vollgeldinitiative und Geldschöpfung «aus dem Nichts»

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16.11.2017

Die Debatte um die Vollgeldinitiative hat ein Thema aufgebracht, das bis anhin neben Wissenschaftern nur VWL-Studenten in Einführungsvorlesungen beschäftigte: die Geldschöpfung im Bankensystem. Weithin bekannt ist, dass Zentralbanken Zahlungsmittel in Umlauf bringen. Dies geschieht in aller Regel, indem Geschäftsbanken den Zentralbanken Devisen und Wertschriften verkaufen oder verleihen und dafür hochliquide Guthaben bei den Zentralbanken gutgeschrieben erhalten. Weniger bekannt war bis anhin, dass auch die Geschäftsbanken selber Geld «aus dem Nichts» schöpfen. Sie kreieren Sichteinlagen, also täglich fällige Forderungen auf Zahlungsverkehrskonten, nicht nur im Tausch gegen Zentralbankgeld, das die Kunden bei ihnen einzahlen, sondern auch im Zuge der Kreditgewährung.

Laut Befragungen zeigen sich viele Bürger erstaunt über diese Praxis, und nicht wenige äussern Unbehagen oder lehnen die Geldschöpfung durch den Privatsektor gänzlich ab. Dies ist aus ökonomischer Sicht teilweise nachvollziehbar. Denn mit Sichteinlagen schafft der Privatsektor (neben Chancen) auch Risiken, deren Bewältigung im Verantwortungsbereich des Staates liegt. Die private Geldschöpfung birgt somit die Gefahr, dass das zentrale........

© Neue Zürcher Zeitung