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Fortschritt aus der Mottenkiste

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13.01.2018

Gedankenlos wird das Wort «progressiv» für linke Meinungen und Rezepte verwendet. Dabei gehören gerade die vermeintlich Fortschrittlichen heute zu den Konservativsten im Lande.

Mit der Sprache ist es so eine Sache. Sie ist unpräzis, subjektiv, beugsam und dem Zeitgeist verfallen. Sie ist alles andere als eine exakte Wissenschaft. Und sie prägt das Denken. Gewisse Begriffe sind positiv, manche negativ besetzt. Manche ändern ihre Wertigkeit komplett. Der «Dilettant» war zu Mozarts Zeiten ein hochgeschätzter Zeitgenosse, heute ist er der Inbegriff für einen üblen Stümper. Wörtlich wäre er ein Liebhaber, also dasselbe wie ein Amateur. Aber der beherrscht sein Handwerk ja auch nicht richtig.

Die Sprache meint also nicht immer, was sie meint. Mal geschieht es aus Höflichkeit, mal aus Zweckdienlichkeit, mal aus politischen Überlegungen, dass........

© Neue Zürcher Zeitung