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Vernetztes Denken und Handeln als Maxime

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07.11.2018

Im Herbst 2019 wird die „Association des travailleurs immigrés“, allgemein unter ihrem Kürzel Asti bekannt, ihr 40-jähriges Bestehen feiern können. Seit ihrer Gründung setzt die Vereinigung sich für die Rechte der Migranten ein, eine Arbeit, die im Laufe der Zeit, wie die Immigration an sich, facettenreicher geworden ist. Mit Laura Zuccoli hat die Vereinigung seit nunmehr neun Jahren erst ihre zweite Präsidentin. Die Nachfolgerin von Serge Kollwelter setzt sich mit großer Vehemenz für die Ziele der Vereinigung ein, und steht als engagierte Frau öfters im Rampenlicht. Mit Laura Zuccoli unterhielten wir uns über die Arbeit der Asti und ihre persönliche Sicht aktueller Probleme in der Migration.

Seit 2009 sind Sie Präsidentin der Asti. Warum findet man Ihren Namen nicht auf Wikipedia - anders, als zum Beispiel den Ihres Vorgängers Serge Kollwelter?

Laura Zuccoli Darauf habe ich jetzt keine direkte Antwort. Ehrlich gesagt, mir ist das nicht so wichtig. Vielleicht sind Frauen nicht so begierig darauf, in Wikipedia aufgelistet zu sein… Als Frau bin ich in den letzten Monaten etwas bevorteilt gewesen: Ich bin oft zu Rundtischgesprächen eingeladen worden, weil auch eine Frau in der Gesprächsrunde dabei sein sollte.

Nun setzt sich die Asti, so wie ihr Name es besagt, für die Immigranten ein. Jahrzehntelang stellten portugiesische Menschen das Gros dieser - arbeitssuchenden - Einwanderer. Ist es hier nicht zu einem grundlegenden Wandel in den letzten Jahren gekommen?

ZUCCOLI Die Asti wird Ende nächsten Jahres ihr 40jähriges Bestehen feiern können. In der Tat hat sich die Migration seit den Anfangszeiten der Asti, insbesondere seit der Jahrtausendwende, gewandelt. Sie hat sich nicht nur in punkto Nationalitäten stark diversifiziert, es kommen auch weit mehr hoch ausgebildete Menschen sowie alleinstehende Frauen, als dies früher der Fall war.

Was tut die Asti, um die Probleme, mit denen Einwanderer heute konfrontiert sind, aufzugreifen, beziehungsweise Lösungsvorschläge in die Diskussion einzubringen?

ZUCCOLI Die Asti veröffentlicht Stellungnahmen - wie jetzt im Rahmen der Koalitionsverhandlungen. Wir sind indes auch sehr aktiv auf Kommunalebene, indem wir beraten und allgemein sensibilisieren, zum Beispiel, was den Empfang neuer Bürger/innen, unabhängig von ihrer Nationalität, anbelangt. Demnächst wird die Asti eine Internet-Plattform eröffnen, auf der „good practices“ in den Gemeinden vorgestellt werden. Darüber hinaus bietet die Asti Freiwilligen die Möglichkeit, sich in punkto Unterstützung von Flüchtlingen oder Migranten zu engagieren und auszubilden.

Könnten Sie Beispiele nennen?

ZUCCOLI Die „Cafés des langues“ in Hesperingen (Café de Babel) und Strassen sind solche Beispiele. Man trifft sich einmal im Monat in lockerer Runde, um sich in einer Sprache nach Wahl zu unterhalten. Jeder ist dabei angesprochen, es gibt indes keinen Vereinszwang. Andere Gemeinden befragen ihre Bürger nach ihren Bedürfnissen. Es gibt Gruppen, die sich regelmäßig zum Wandern treffen, und sich dabei in einer bestimmten Sprache, ob Luxemburgisch oder Französisch oder in einer anderen Sprache, unterhalten. Sprache muss man praktizieren, um sie nicht zu verlieren beziehungsweise wirklich zu erlernen.

Ein Problem ist ohne Zweifel das Wohnen, beziehungsweise die hohen Mietpreise in Luxemburg. So erschien unlängst in der größten Tageszeitung des Landes eine Reportage über die „Cafézëmmer“. Ist die Bereitstellung von Kurzzeitwohnraum zu einem adäquaten Mietpreis für (Wirtschafts-)Immigranten ein Thema für die Asti?

ZUCCOLI Ganz bestimmt! Wir haben uns in unserem Forderungskatalog an die neue Regierung nicht auf das Wohnen fokussiert, weil dieses Thema ohnehin zur Debatte steht. Aber klar ist: in Luxemburg betreiben wir seit ewig eine Politik, welche den Erwerb von Wohnraum fördert, es aber verpasst hat, Gleiches im Bereich Mietwohnen zu tun. Wo soll ein Mensch denn hin, der neu in unser Land kommt, weil er hier Arbeit hat? Sein erster Gedanke ist sicherlich nicht, Wohnraum zu erwerben, sondern eine Mietwohnung zu finden, bei der das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Hinter der Grenze wird er dabei fündig - doch dann muss er eine stundenlange Anfahrt zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen.

Dass es die „Agence immobilière sociale“ gibt, ist selbstverständlich begrüßenswert, doch längst nicht jeder Migrant kann deren Unterstützung in Anspruch nehmen, weil er die sozialen Kriterien nicht erfüllt. Davon abgesehen gab es früher Foyers für Migranten, die jedoch irgendwann abgeschafft wurden. Und was tut eine Familie mit fünf Kindern im Schulalter? Laut........

© Lëtzebuerger Journal