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Ein Wochenende in Paris: Die Ausdauer der Gelbwesten

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11.02.2019

Seit Wochen berichten deutsche Medien von einem Rückgang der Gelbwesten-Bewegung. Wenn sie denn überhaupt berichten. Als außenstehende*r Betrachter*in ließe sich annehmen, dass nach der Explosion im Dezember mit Zehn- oder Hunderttausenden Demonstrierenden nun nur noch ein versprengter Haufen hart gesottener übrig geblieben ist. Macron diniert gediegen im Élysée Palast und auch sonst ist wieder Business as Ususal.

Zunächst einmal: Ja, die Zahlen sind zurückgegangen. Aber es wäre vorschnell zu glauben, dass die Bewegung einfach so spurlos abebbt. Die Gelbwesten sind weiter zahlreich auf der Straße. Das französische Innenministerium sprach diesen Samstag von 4.000 in Paris und 51.400 in ganz Frankreich. Aus eigenen Schätzungen scheint eine Zahl von 10.000 in Paris wahrscheinlicher.

Die Spontaneität der Bewegung

Die Gelbwesten sind keine Bewegung wie so viele andere der letzten Jahre. Die gewerkschaftlichen Kämpfe, wie gegen das Arbeitsmarktgesetz des vorherigen Präsidenten François Holland 2016, zielten bei all ihrer Schlagkraft doch auf Dialog ab. Die Gewerkschaftsführungen versuchten nicht, die Regierung zu stürzen, sondern mit dieser eine gute Verhandlungsposition zu etablierten.

Aber die Gelbwesten ticken anders. In Bezug auf die nationale Debatte, die Macron am Neujahrestag begann, verkündete ein Graffiti, das bei der Gelbwesten-Demo am Samstag angebracht wurde: „Wir wollen nicht debattieren. Wir wollen bestimmen.“

Es ist der Ruf derer, die nicht nur ein paar Prozent mehr Lohn verlangen, sondern mit der Verfasstheit der V. Republik und dem Alltag des Neoliberalismus nicht mehr einverstanden sind. Sicher sind die Auffassungen darüber, was stattdessen kommen solle sehr unterschiedlich. Ein beliebter Ruf ist der nach direkter Volksabstimmung – keine allzu radikale Forderung, die sich mit dem bürgerlichem Regime ganz gut vereinen lässt.

Von der radikalen Linken bis zur extremen Rechten sind alle möglichen Gruppierungen und Ideologien dabei, wenngleich sie ihre Symbole bei den Demos meist nicht offen zeigen. Viele........

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