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Flucht am Schabbat

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14.09.2017

Die Sonne schien noch klar und hell, doch etwas lag schon in der Luft, als Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Miami Beach kamen und die pinkfarbenen Kuba-Flamingos in dem kleinen Park, auf den Rachel Levine aus ihrem Wohnzimmerfenster schaut, zusammentrieben. Da wusste Levine: »Es geht bald los. Der große Sturm kommt.«

Irma war nicht der erste Hurrikan, den Rachel Levine und ihr Mann Zadek gesehen haben. Da waren Andrew, Charley, Katrina oder Sandy, die alle kamen und gingen und mehr oder weniger tiefe Spuren der Verwüstung hinterließen – auch an dem kleinen Haus, das die Eheleute vor gut 30 Jahren gebaut haben, nur ein paar Blocks vom Meer entfernt.

geisterstadt Aber Rachel und Zadek sind immer geblieben, so wie dieses Mal auch. Haben sich eingedeckt mit Wasser, Konserven und Batterien. Sie haben ihre Fenster und Türen mit Sperrholz vernagelt. »Wir würden unser Haus nie im Stich lassen«, sagt die 85-Jährige ein paar Tage später am Telefon, als Irma bereits über Florida hinweg ins Landesinnere gezogen ist. Sie hat den Holocaust überlebt; die Stürme machten ihr keine Angst, sagt sie. Am Freitagabend, als Miami Beach längst zur Geisterstadt geworden war und alle ihre Bekannten geflohen waren, zündeten Rachel und Zadek die Schabbatkerzen an.

Gehen oder bleiben, das Haus evakuieren oder sich einbunkern – vor dieser Frage standen alle Bewohner der Küstenstädte im US-Bundestaat Florida, als sich Hurrikan Irma, einer der stärksten Wirbelstürme seit vielen Jahren, in der vergangenen Woche von der Karibik kommend dem Festland näherte. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Florida – insbesondere die orthodoxen unter ihnen – standen dabei vor........

© Juedische Allgemeine