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Lässig, stark, sexy

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14.06.2018

Ist die Welt verrückt geworden? Jein. Verrückt war sie schon immer. Vor 30 Jahren ist die Welt aber Gaga geworden. Zumindest in Amerika, in Europa und vor allem in Israel. Dort strömen die Menschen zusammen und machen gemeinsame Sache. Mittendrin steht allerdings ein Gaga-Profi und sagt ihnen, was zu tun ist. Denn auch Gaga-Lehrlinge brauchen ihren Meister.

Deshalb gibt es inzwischen Gaga-Workshops allüberall, bevorzugt bei Festivals. Die einen sind den Profis vorbehalten, die anderen für Laien reserviert, für Kinder wie Greise und Menschen aller Altersstufen dazwischen – Vorkenntnisse nicht erforderlich.

Wahnsinn Bei Gaga, worum es hier geht, aber handelt es sich keineswegs, wie der Name suggeriert, um die erlernbare (und in sich absurde) Methode, den alltäglichen Wahnsinn, der einen umgibt, endlich professionell selbst zu inszenieren. Gaga könnte vielmehr dazu verhelfen, diesen mit allen Sinnen zu erfassen, um ihm besser standhalten zu können. Wenn Gaga aber kein Synonym für Wahnsinn ist, was ist es dann?

Sein Erfinder ist von der heilenden Kraft des Tanzes überzeugt. Also hat Ohad Naharin, seit 1990 Künstlerischer Direktor der Batsheva Dance Company in Tel Aviv, für sich vor genau 30 Jahren nach einer Rückenverletzung eine Bewegungsmethode entwickelt, die er Gaga nannte. Mr. Gaga, so nannten dann die Brüder Tomer und Barak Heymann vor zwei Jahren ihren längst schon kultisch rezipierten Dokumentarfilm über den hochverehrten, von einigen allerdings auch kritisch beäugten Tänzer und Choreografen, der an seiner Schule im Suzanne Dellal Centre im todschick gentrifizierten Neve Tzedek in nahezu 30 Jahren Generationen von begabten Choreografen hervorgebracht hat.

Die Regisseure verwiesen mit dem Filmtitel keinesfalls auf den möglicherweise merkwürdigen Geisteszustand Naharins. Denn unter den Tanzleuten gibt es wohl kaum einen, der das, was er will und tut,........

© Juedische Allgemeine