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«Holt mich hier raus, sonst haue ich ab»

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12.01.2019

Ottmar Hitzfeld hat in diesen Tagen viele Medienanfragen. Er wird 70 und die halbe Welt will mit ihm sprechen. Kein Wunder. Hitzfeld ist mit insgesamt 28 Titeln und zahlreichen Auszeichnungen einer der erfolgreichsten Trainer der Geschichte.

Als Fussballer war Hitzfeld jedoch nirgendwo so gross wie zu seiner Zeit beim FC Basel in den 70er-Jahren. Und kein Ort war so entscheidend für den Verlauf seiner weiteren Karriere wie das Basler Stadion Landhof, hier begann vor 48 Jahren alles begann.

Ottmar Hitzfeld, wann waren Sie zuletzt auf dem Landhof?
Das ist auch schon wieder einige Jahre her.

Welche Bedeutung haben diese paar Quadratmeter Rasen für Ihre Karriere?
Eine grosse. Hier hat meine Zeit als Fussballer so richtig begonnen. Wer weiss schon, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich damals nicht dieses Probetraining beim FC Basel absolviert hätte.

Können Sie sich heute noch an den Tag erinnern?
Natürlich. Ich weiss noch, wie ich mit meinem Käfer nach Basel gefahren bin. Ich habe überlegt, ob ich auf dem Gelände parken soll; habe mich aber nicht getraut. Ich wollte an diesem Tag keine Fehler machen. Das Training verlief dann perfekt: Ich hatte mich gut vorbereitet, viel geschlafen und bin so viel gerannt, dass ich am Ende Blasen an den Füssen hatte. Ich habe auch ein paar Tore geschossen …

… und Trainer Helmut Benthaus ist noch während der Einheit in eine Vorstandssitzung des Clubs gestürmt und hat dort gesagt, man solle Sie direkt verpflichten.
Er sagte, ich solle ins Sekretariat gehen und gleich unterschreiben.

Mussten Sie lange überlegen?
Ich wollte erst mit meinem Bruder sprechen; der war Rechtsanwalt.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie beim FCB vorspielen konnten?
Ich habe damals beim FV Lörrach und in der südbadischen Auswahl gespielt und gemerkt, dass sich auch andere Clubs für mich interessieren. Ich hatte ein Angebot von Delémont, dort hätte ich 15'000 Franken verdient.

Im Jahr?
Natürlich im Jahr, was denken Sie denn? Das war für mich als Student eine gigantische Summe. Aber ich habe gedacht: Wenn Delémont sich schon für mich interessiert, kann ich nicht so schlecht sein. Dann hatte ich einen Geistesblitz und habe Helmut Benthaus angerufen; seine Nummer stand ja im Telefonbuch.

Waren Sie denn nicht nervös?
Na klar, und wie. Ich habe für den Anruf einen Moment abgewartet, in dem ich ganz alleine zu Hause war; meine Eltern wären von dieser Idee überhaupt nicht begeistert gewesen. Ich habe mir genau aufgeschrieben, was ich sagen will. Sie dürfen nicht vergessen, ich war als kleiner Junge oft auf dem Landhof und habe dort die Spiele der Basler verfolgt, Helmut Benthaus war für mich ein Idol.

Das bedeutet, dass Sie Ihre Karriere gleich bei Ihrem Traumverein begonnen haben.
Mein erster grosser Traum war der FC Riehen, dort wollte ich immer mal spielen (lacht). Aber ja, durch meinen Vertrag beim FC Basel habe ich mir gleich am Anfang meiner Karriere einen Traum erfüllt.

Wenn Sie heute zurückblicken: Hat der Anruf bei FCB-Trainer Helmut Benthaus Ihr Leben verändert?
Wenn man zurückblickt, muss man sagen: ja. Zum Glück hat Benthaus an diesem Tag das Telefon abgenommen.

Haben Sie sich je Gedanken gemacht, was sonst aus Ihnen geworden wäre?
Dann wäre ich Lehrer geworden. Ich habe mich ja für diese Ausbildung entschieden und mich auch auf den Beruf gefreut. Ich war gerne mit Kindern zusammen und hatte Freude am Unterrichten.

Ihre Mutter hätte es toll gefunden, wenn Sie Pfarrer geworden wären.
Das war ihr Wunsch, ja. Ich war 1961 auf dem Missions-Gymnasium Untere Waid in Mörschwil SG. Meine Eltern haben es so eingefädelt, dass ein Mitschüler von mir ebenfalls dorthin ging,........

© Berner Zeitung