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Was ist eigentlich bürgerlich?

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05.12.2018

In der Vorrunde zu den Bundesratswahlen ist die Urnerin von der SVP-Fraktion der Walliserin vorgezogen worden, weil sie «bürgerlicher» sei als die andere. Die so urteilende Fraktion hält sich selber als die bürgerlichste Kraft. Und die Medien schreiben und sprechen das meistens munter – und gedankenlos – mit. Nach diesem Verständnis sind Kräfte umso bürgerlicher, je weiter sie auf dem rechten Flügel angesiedelt sind. Folglich wären Splittergruppen rechts der SVP, die es von Zeit zu Zeit gibt, die allerbürgerlichsten Kräfte.

Der im Freisinn engagiert gewesene Rechtsprofessor und Alt-Ständeratspräsident René Rhinow hat bereits vor einiger Zeit ebenfalls festgestellt: «Die SVP mit ihrer bürgerlichen BGB-Tradition behält unangefochten dieses Attribut, ohne dass ihre Politik an den Kriterien der Bürgerlichkeit gemessen wird.» (NZZ vom 3. Februar 2017)

Die im Zusammenhang mit den Bundesratswahlen erneut vorgenommene Einordnung gibt Gelegenheit, sich wieder einmal zu überlegen, was eigentlich der Inhalt dieses Begriffs ist. Was bürgerlich ist, lässt sich aber nicht leicht auf den Punkt bringen. Das historische Verständnis beruht auf der Unterscheidung des bürgerlichen vom........

© Aargauer Zeitung