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Gastkommentar zur EU-Kritik: Berechtigt oder nicht?

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28.08.2018

Die Briten und Britinnen haben im Juni 2016 mit 51,9 Prozent dem Brexit zugestimmt und damit nochmals über etwas abgestimmt, zu dem sie zuletzt vor über vier Jahrzehnten, 1975, befragt worden waren. Gemäss jüngster Umfrage von Sky News sind jetzt jedoch nur noch 40 Prozent für einen Austritt in irgendwelcher Form und 48 Prozent für ein Verbleiben in der EU. So ändern sich die Mehrheitsverhältnisse, und sie können sich auch wieder ändern. Das zeigt, wie fragwürdig Momentaufnahmen für grosse Dauerlösungen sind.

Für das fatale Votum des Brexit waren Desinformation und Lügen, gesetzeswidrige Kampagnenfinanzierung und – last but not least – ein massives Misstrauen verantwortlich. Ein Teil des «Leave»-Votums erklärt sich gewiss damit, dass aus historisch-kulturellen Gründen – wie in der Schweiz – schon immer eine erhebliche Skepsis auf der britischen Insel herrschte, dass die knappe Mehrheit für den Austritt demnach nicht einzig das Ergebnis einer aktuellen Einschätzung der Stärken und Schwächen der EU war. Und: Das Nein war ein Nein vor allem zur eigenen Regierung.

Georg Kreis

Emeritierter Professor für Geschichte der Universität Basel. Kürzlich ist erschienen:........

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